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Neuanfang in Memphis

Angetrieben von der Hoffnung auf eine wirtschaftlich bessere Zukunft zogen die Presleys im November 1948 nach Memphis, Tennessee. Sie lebten in Memphis zunächst wieder in einer Reihe heruntergekommener Pensionen, unter anderem in der Poplar Street, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach den ersten Kontakt zur Familie von Reverend JJ. Denson gab, der die Poplar Street Mission betrieb. Im September 1949 bekamen die Presleys dann die Berechtigung, ein Apartment in den Lauderdale Courts zu beziehen, ein Viertel des sozialen Wohnungsbaus in der Innenstadt von Memphis, speziell errichtet für Weiße mit niedrigem Einkommen. Die Lauderdale Courts bildeten einen Mikrokosmos, in dem jeder jeden kannte, man wohnte nicht nur hier, sondern hatte dort seine Freunde und verbrachte fast seine gesamte Freizeit in den Courts. Man hörte viel Radio, war die lokale Radioszene in Memphis zu dieser Zeit doch so etwas wie ein Eldorado unterschiedlicher musikalischer Perspektiven und Stile, in denen „weiße“ und „schwarze“ Musikrichtungen nebeneinander bestanden. Für die Jugendlichen gab es in den Courts einen Partyraum, wo man sich am Wochenende traf, um Musik zu machen und zu tanzen.

Elvis besuchte die Humes High School – erneut als unauffälliger, durchschnittlicher Schüler – und schloss schnell Freundschaft mit drei Jungs seines Alters aus den Lauderdale Courts: Buzzy Forbess, Paul Dougher und Farley Guy. Die vier waren sehr bald unzertrennlich und verdienten sich ihr Taschengeld mit Rasenmähen und ähnlichen Aushilfsjobs, wenn sie nicht Ausflüge auf die Main Street, ins Kino, wo Presley und Farley Guy zeitweise als Platzanweiser arbeiten, oder auf die berühmte Beale Street machten. Presley mochte besonders eine Kneipe für Schwarze, das Green Owl, die für ihre Live-Musik bekannt war. Schulfreunde äußerten sich über Elvis Presley:

“Elvis was a person brought up by his parents to be very respectful of people. He was an average student and an average kid. He had talent and was very witty. […] Elvis worked for everything he got, thus he learned to appreciate the things he got. At an early age he learned to do for himself rather than wait for others to do for him.”

Buzzy Forbess

“Elvis was a very strong-willed person. His real ambition was steered by compassion and caring not by fame and fortune.”

Luther Nall

Etwa um 1950 schloss Elvis nähere Bekanntschaft mit Dorsey Burnette, Paul Burlison und Lee Denson, eine Gruppe älterer Jungs, die – entgegen Presleys Verhalten – laut, krawallmachend und pöbelnd waren. Burlison und Burnette waren gekonnte Boxer und hatten zusammen mit Denson sogar einige Zeit eine Schule zur Besserung ihres Benehmens in Nashville besucht. Offensichtlich hatte Gladys Presley die Densons gefragt, ob der besonders musikalische Jesse Lee ihrem Sohn nicht Gitarrenstunden gegen könnte, was dieser dann auch zunächst recht widerwillig tat. Im starken Kontrast zu seinen Freunden war Presley ruhig und schüchtern, einer, der nie Ärger machte und fremden Personen gegenüber kaum andere Worte als „Yessir“ und „Nossir“ herausbrachte. Auch Jimmy Wages beschrieb ihn als sehr schüchtern („He was so timid and shy“).

Jesse Lee und seine Freunde Dorsey Burnette und dessen jüngerer Bruder Johnny trafen sich oft mit einem weiteren Courts-Bewohner – Johnny Black – auf der Market Hall, einer Art Pfad, der sich durch die Courts zog, und wo man abends mehrstimmige Lieder wie „Cool Water“ und „Riders in the Sky“ sang, wobei Jesse Lee mit seinem Gesang und der Gitarre stets im Mittelpunkt stand. Presley war häufig anwesend, wenn die Truppe der älteren Jungs spielte, manchmal machte er auch mit, wobei die Älteren ihm eher Respekt dafür zollten, dass er sich nicht verjagen ließ. Genauso häufig saß er alleine auf den Stufen vor dem Apartment seiner Eltern mit seiner Gitarre und sang – nach Einbruch der Dunkelheit – den Mädchen der Nachbarschaft vor, unter anderen Songs von Kay Starr, Teresa Brewer, Joni James, Bing Crosby, Eddi Fisher und Perry Como.

In seinem vorletzten Schuljahr an der Humes High School begann Presley sich nicht nur äußerlich zu verändern, indem er auffällige Kleidung im Stil des Bekleidungsgeschäfts Lansky Brothers, in dem vorwiegend Schwarze einkauften, und lange Haare mit Koteletten trug, er begeisterte sich auch zunehmend für die Gospel-Quartette der Blackwood Brothers und der Statesman – eine Leidenschaft, die sein ganzes weiteres Leben anhalten sollte und die zusammen mit Country sowie Rhythm & Blues den Nukleus seines musikalischen Seins bildete. Mittags oder sonst am Wochenende schaute er beim WMPS Studio an der Ecke Union und Main zum „High Noon Round-Up“ vorbei, bei dem die Blackwood Brothers live auftraten, und das von Bob Neal, seinem späteren Manager moderiert wurde. Besonders angetan hatte es ihm jedoch die Formation der Statesman, ein weißes Gospel-Quartett, das neben einem besonders emotionalen Gesangsstil auch durch seine elektrisierende Bühnenshow und den charismatischen Lead-Sänger Jake Hess auffiel, eine Formation, die vor allem weibliche Zuhörer in Ekstase versetzte. Auch ging er in dieser Zeit regelmäßig, meist allein, zu den „All Night Gospel Singings“, die im Ellis Auditorium stattfanden. Da er das Eintrittsgeld dafür nicht aufbringen konnte, verkaufte er Erfrischungsgetränke während der Veranstaltungen und konnte sie sich so umsonst anschauen. An so manchem Sonntagabend konnte man ihn auch zusammen mit anderen weißen Teenagern in der East Trigg Baptist Church von Rev. William Brewster auf der Balustrade – getrennt von den schwarzen Gemeindemitgliedern – finden, wo er fasziniert dem lebhaften black gospel lauschte.

Im Juni 1953 machte Presley seinen Abschluss an der Humes High School, jedoch nicht bevor er das erste Mal während seiner gesamten Zeit an der High School seine Schüchternheit überwand und aus dem Schatten in das Scheinwerferlicht der Bühne trat. Am 9. April 1953 präsentierte die Humes High Band ihre sog. Annual Minstrel Show, einen Talentwettbewerb, im Humes Auditorium. Es war ein Donnerstagabend, und der Großteil der Schüler erschien, um die Majoretten, die Xylofon-Trios, die Männer-Quartette, die Bandaufführungen und Komikereinlagen zu sehen. Nur seine engsten Freunde wussten, dass er einer der 22 Programmpunkte sein würde. Presley sang zwei Songs, unter anderen Teresa Brewers „Till I Waltz with You Again“ und – zu seiner eigenen Überraschung und zu der seiner Mitschüler, die bis dato nicht viel von seiner Leidenschaft für Musik bemerkt hatten – gewann er den Talentwettbewerb und wurde um mehrere Zugaben gebeten.

Die Anfänge bei Sun Records (1953–1955)

Entstehung des Rockabilly-Sounds

Gleich am nächsten Tag nach Erhalt seines High School Diploms sprach Elvis Presley bei der staatlichen Arbeitsvermittlung vor, wo ihm ein Job bei M.B. Parker, einem kleinen Maschinenreparaturservice in Memphis, vermittelt wurde. Mit dem ersten Gehalt in der Tasche führte ihn sein Weg im Juni 1953 direkt zum Memphis Recording Service, einem professionellen Aufnahmestudio in der Union Avenue, wo jeder für $8,25 ein doppelseitiges sogenanntes Celluloseacetat aufnehmen konnte.

Studioinhaber Sam Phillips hatte sich an der Union Avenue 1950 niedergelassen und betrieb in den Räumlichkeiten auch sein Plattenlabel Sun Records, unter dem er erfolgreich vornehmlich schwarze R&B-Musiker wie Howlin’ Wolf, B.B. King, Junior Parker und Joe Hill Louis vermarktete. Sam Phillips war es denn auch, der Ike Turners und Jackie Brenstons Platte Rocket 88 herausbrachte, die vielen heute als die erste Rock 'n' Roll-Platte überhaupt gilt.[33] In einer Zeit, in der es eine scharfe Trennung zwischen „weißer“ und „schwarzer“ Musik gab, hoffte Phillips, den wachsenden weißen Teenagermarkt für die vitale Musik der schwarzen R&B-Künstler zu öffnen:

“As we went along with rhythm and blues records, I had begun to think, man, if I could just find a white person who will not try to mimic – now that’s important – a black artist, if I could find a white artist with that innate, natural feeling, that maybe we could cut down that barrier a little bit. […] And that’s when Elvis came in. I knew damn well this was what I wanted. He had the sound. The feel. Everything. He was not trying to copy anything. He was like me; he loved all types of music. He was a music nut – everything from Hank Snow to the Ink Spots and Mills Brothers, to Perry Como and Dean Martin.”

Sam Phillips: Burk: The Sun Years, S. 52


Doch ganz so schnell sollte es nicht gehen mit der Karriere, denn bei Presleys erstem Besuch in Phillips’ Aufnahmestudio traf der junge Nachwuchskünstler zunächst nur auf Phillips’ Assistentin Marion Keisker. Diese versuchte den extrem schüchternen und nervösen jungen Mann im schmutzigen Overall, der ihr wenig überzeugend erzählte, er wolle eine Platte als Geschenk für seine Mutter aufnehmen, durch ein bisschen Small Talk auflockern. Sie fragte ihn, was für eine Art Sänger er denn sei und welche Musikrichtung er bevorzuge. Zu ihrer Verblüffung antwortete Elvis Presley plötzlich gar nicht mehr so schüchtern: „I sing all kinds“ und „I don’t sound like nobody“.[34] Dass er mit dieser Selbsteinschätzung alles andere als daneben lag, bewies er mit den folgenden Aufnahmen der Balladen My Happiness und That's When Your Heartaches Begin, letzteres ein Hit für die Ink Spots 1951. Beeindruckt in erster Linie von der Intensität seines Gesangs notierte Keisker sich Namen sowie Adresse und machte sich die Notiz „guter Balladensänger, merken!“.[35] Doch wenn Presley auf einen baldigen Anruf Keiskers und einen Tipp, wer in Memphis einen talentierten Sänger wie ihn gebrauchen könne, gehofft hatte, wurde er zunächst enttäuscht. Im November 1953 nahm er einen neuen Job als LKW-Fahrer bei der Firma Crown Electric an, für die er Material zu Baustellen fuhr, auf denen er auch den dort arbeitenden Elektrikern zur Hand ging.[36] In seiner Freizeit verdiente er sich mit Live-Auftritten auf Partys von Schülern und College-Studenten im Raum Memphis etwas dazu.[37]

Im Januar 1954 war er des Wartens müde und machte sich auf zu seinem zweiten Besuch bei Sun. Diesmal traf er Sam Phillips selbst an und nahm – wieder auf eigene Kosten – zwei Country-Songs auf: I’ll Never Stand In Your Way und It Wouldn’t Be the Same Without You. Auch Phillips war beeindruckt und begann, den jungen Sänger zu fördern, indem er ihn sich unter anderen an der Ballade Without You versuchen ließ, zunächst aber ohne durchschlagenden Erfolg. Anfang Juli 1954 kam es dann zur ersten richtigen Aufnahmesession Presleys mit dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black, die zu dieser Zeit (ebenfalls ohne großen Erfolg) versuchten, sich mit ihrer eigenen Band – den Starlite Wranglers – einen Namen zu machen.[38]

Während dieser Session probierte sich das Trio zunächst an einer ganzen Reihe von Country-Songs, unter anderen an der Ballade „I Love You Because“, ohne dass der Funke wirklich übersprang. Erst als Elvis in einer Pause plötzlich – mehr aus Spaß – Arthur „Big Boy“ Crudups Bluesnummer „That’s All Right Mama“ anstimmte, sie allerdings völlig neu interpretierte und dabei im Studio herumwirbelte, Scotty Moore spontan mit auf diesen Zug sprang, indem er das Gitarrenriff dieses alten Rhythm-and-Blues-Stückes rhythmisch stark akzentuiert spielte und Bill Back mit seinem Bass folgte, war ein neuer Sound geboren.[39] „That’s All Right Mama“ gilt als 1. Rockabilly-Titel der Geschichte, wobei Rockabilly als Fusion von "schwarzem" Rhythm & Blues und "weißem" Country eine Spielart des Rock 'n' Roll ist.

Sam Phillips erkannte sofort, dass dies genau das war, wonach er die ganze Zeit gesucht hatte, und eilte mit der Aufnahme umgehend zu Dewey Phillips (nicht verwandt mit Sam Phillips), einem der bekanntesten und zweifellos originellsten Discjockeys in Memphis, der vom Studio des Radiosenders WHBQ in Hotel Chisca auf Sendung ging. Die Zuhörer-Reaktionen auf „That’s All Right Mama“ kamen umgehend, es ging eine Flut von Anrufen und Telegrammen begeisterter Zuhörer ein, die dazu führten, dass Dewey Phillips die Platte wieder und wieder spielte – einigen Aussagen zufolge an die 15 Mal allein in dieser Sendung. Um seine Zuhörer davon zu überzeugen, dass der Sänger keinesfalls – wie die meisten annahmen – ein Schwarzer war, ließ Dewey Elvis für ein Spontaninterview ins Studio holen und erzählen, auf welche High School er gegangen war. Mit Nennung der Humes High School war klar, der Sänger war ein Weißer.[40]

 
Blue Moon of Kentucky (live), 1954 oder 1955 im Louisiana Hayride

In den nächsten Tagen überschlugen sich die Ereignisse. Nach dem Erfolg von „That’s All Right Mama“ war klar, dass schnell eine B-Seite für eine Single her musste. Die Wahl fiel diesmal auf eine Neuinterpretation von Bill Monroes „Blue Moon of Kentucky“, einem Bluegrass Song von 1946, den das Trio von einer langsamen bluesigen Version im 4/4-Takt mit spärlicher Instrumentierung und ziemlich schnörkeligem Gesang in eine temperamentvolle Version verwandelte, vorangetrieben durch Elvis’ Rhythmusgitarre und einer vorwärts treibenden Mischung aus Scottys voll-akkordigen Riffs und einsaitiger Filigranarbeit. Bei diesem Stück machte Phillips zum ersten Mal umfassend Gebrauch vom Slapback, einer Art selbst gebasteltem Echogerät, das den Sound der Sun-Aufnahmen unverwechselbar machte[41] Bis zum 19. Juli 1954, dem Tag an dem „That’s All Right Mama“ und „Blue Moon of Kentucky“ offiziell als A und B-Seite der Single 209 bei Sun Records veröffentlicht wurde, waren bereits 6.000 Bestellungen eingegangen. Scotty Moore fungierte ab sofort als Manager des Trios, in erster Linie um als „Band-Leader“ und „Booking-Agent“ die Live-Auftritte zu organisieren.

The Hillbilly Cat & The Blue Moon Boys

Der erste gemeinsame Live-Auftritt fand im Bon Air Club in Memphis statt, wo Scotty und Bill als Teil der Starlite Wranglers an Wochenenden auftraten. Der Auftritt war noch kein durchschlagender Erfolg, doch der junge Nachwuchskünstler kam gut an, was Sam Phillips dazu ermutigte, das Trio bei einem Open Air-Konzert, dem von WMPS-DJ Bob Neal organisierten „Hillbilly Hoedown“ in Memphis’ Amphitheater Overton Park anzumelden. Hier hatte Elvis Presley mit Scotty Moore und Bill Black am 30. Juli 1954 seinen ersten Auftritt vor größerem Publikum. Er selbst sollte später zu diesem Auftritt sagen[42] :

„I came out on stage and I was… I was scared stiff. […] And I came out and I was doin’ a fast-type tune, one of my first records, and everybody was hollerin’ and I didn’t know what they were hollerin’ at.“

Das Publikum bekam von der Verunsicherung, die alle Bandmitglieder erfasst hatte, auf jeden Fall wenig mit, da es komplett ausrastete als Presley begann, sich in einer recht eigenartigen Art auf die Fußballen zu stellen und sich dabei weit ins Mikrofon reinzuhängen, um dann während der Instrumentalsequenzen vom Mikro zurückzutreten und sich rhythmisch zum Sound zu bewegen. Die weiten Hosenbeine, die er trug, verstärkten den optischen Schüttel-Effekt, was zusammen mit dem neuartigen Sound der Truppe eine überwältigende Wirkung auf das Publikum hatte. Als Presley klar wurde, dass seine Bewegungen im Zusammenspiel mit der Musik diesen Effekt hatte, begann er, sie bewusst in seiner Bühnen-Performance auszubauen. DJ Bob Neal, der Elvis Presley ab 1955 für ein knappes Jahr managen sollte[43] und diesen denkwürdigen Auftritt hinter der Bühne verfolgte, sagte dazu: „Er machte einfach automatisch alles richtig“.[44]


Nach diesem 1. durchschlagenden Live-Erfolg begannen Elvis, Scotty und Bill kontinuierlich in Clubs in und um Memphis zu spielen, unter anderen im Eagle’s Nest, wo sie schnell zu einer Underground-Sensation avancierten. Billboard handelte Presley, der zunehmend an Selbstsicherheit gewann, bereits als „starkes neues Talent“, als „überzeugenden neuen Sänger, der ein Stück sowohl dem Country als auch dem R & B-Markt vor den Latz knallen kann“.[45] Ende August 1954 stieg die erste Sun-Single des Trios in die regionalen Billboard-Charts ein und auch die großen Plattenfirmen begannen die Ohren zu spitzen. RCA Records in New York wurde auf den aufsteigenden Star und das Label aus Memphis ebenso aufmerksam wie Jim Denny, geschäftsführender Gesellschafter der „Grand Ole Opry“ mit Kontakten zu Decca Records.[46] Doch ein erster (und letzter) Auftritt Presleys Anfang Oktober in der Grand Ole Opry in Nashville erntete nur eine lauwarme Reaktion des älteren, eher auf konservative Country-Entertainer eingestellten Publikums, während Folgeauftritte beim Louisiana Hayride – dem innovativeren Rivalen der Opry in Shreveport – ein voller Erfolg waren, der in einem Jahresvertrag mündete.[47] Parallel dazu tourten „The Hillbilly Cat“ Elvis und die Blue Moon Boys, bestehend aus Scotty Moore, Bill Black und den neu hinzugekommenen Drummer D.J. Fontana, durch die Südstaaten (die Musiker hatten inzwischen ihre regulären Jobs aufgegeben), während bei Sun Records 1954/55 weitere erfolgreiche Aufnahmen entstanden, darunter „I Don’t Care If The Sun Don’t Shine“, „Baby Let’s Play House“, „Blue Moon“, „Good Rockin’ Tonight“,„Mystery Train“ und "I Forgot To Remember To Forget". Auch die Charterfolge blieben nicht aus. Nachdem Presley mit einer ganzen Reihe seiner Songs schon die Spitze der regionalen Billboard Memphis Country & Western Charts erklommen hatte,[48] konnte er nun auch in den nationalen Billboard Country Charts überzeugen, in denen "I Forgot To Remember To Forget" Platz 1,"Baby Let's Play House" Platz 5 und "Mystery Train" Platz 11 belegten.[49] Durch die intensive Tourtätigkeit von Presley und seinen Blue Moon Boys verbreitete sich der Rockabilly schnell über den gesamten Süden der USA und inspirierte Hunderte von Musikern, den Stil zu kopieren. Nur wenigen gelang es dabei, über eine bloße Kopie hinauszukommen und individuelle Rockabilly-Stile zu entwickeln. Ab etwa 1957 sollte der Rockabilly im Mainstream-Rock-’n’-Roll aufgehen, viele seiner Interpreten wandten sich jedoch wieder der reinen Countrymusik zu, von der viele ursprünglich gekommen waren. Rockabilly – die Erfindung von Elvis und den Blue Moon Boys – gilt zugleich auch als die erste Spielart des Country-Rock (s. Rock ’n’ Roll).

Im November 1955 gab Sam Phillips dem Werben von RCA Records nach und verkaufte seinen Vertrag mit dem 20-jährigen Elvis Presley für die damals unerhörte Summe von 40.000 Dollar.[50] Damit machte er den Weg frei für Elvis Presleys überregionale und letztendlich internationale Karriere bei einem großen Platten-Label.

Im Dezember 1956 fand in den Sun Studios in Memphis noch eine letzte, inoffizielle Aufnahmesession, statt, die es eigentlich gar nicht hätte geben dürfen, da Presley zu dieser Zeit ja schon bei RCA Records unter Vertrag war. Presley war von einem ersten Engagement aus Las Vegas zurückgekehrt und schaute bei seinen alten Sun-Weggefährten vorbei während Carl Perkins gerade aufnahm, begleitet von Jerry Lee Lewis am Klavier. Elvis setzte sich selbst ans Klavier und begann, verschiedene Stücke zu spielen. Schnell wurde er von Perkins, Lewis und dem später eintreffenden Johnny Cash begleitet. Sam Phillips ließ die Bänder mitlaufen. Die vier Musiker spielten in dieser Jam-Session Stücke aller Genres, darunter eine stattliche Menge Gospel wie "Peace in the Valley", Chuck Berrys "Brown Eyed Handsome Man" bis hin zu Presleys eigenen Aufnahmen "Don't Be Cruel" und "That's When Your Heartaches Begin". Dabei wurden sie von weiteren Musikern begleitet; bekannt sind W.S. Holland am Schlagzeug und Perkins' Bruder am Kontrabass. Nachdem die Bänder für Jahrzehnte verschwunden waren, ist die berühmte Jam-Session des “Million Dollar Quartets“ heute auf CD erhältlich.

The King of Rock ’n’ Roll (1956–1959)

Elvis Presleys Wechsel vom regionalen Sun- zum nationalen RCA -Label Ende 1955 hatte der gebürtige Holländer Colonel Tom Parker (alias Andreas van Kuijk, 1909 – 1997) eingefädelt, der höchstwahrscheinlich Ende der 1920er illegal in die USA einwanderte, dort zunächst in der Zirkusbranche tätig war bevor er ab den 1940er Jahren als Promotor und Manager von Country & Western Stars wie Eddy Arnold und Hank Snow, mit dem er zudem die Künstleragentur Jamboree Attractions/Hank Snow Enterprises betrieb, sehr erfolgreich wurde. [52]

Der für seine exzentrischen Geschäftspraktiken berüchtigte Parker wurde erstmals auf Elvis Presley aufmerksam als Bob Neal diesen Anfang 1955 für eine der Tourneen Snows, bei denen unter anderen auch die Carter Sisters auftraten, buchte. Die zunehmend wilder werdende Reaktion vor allem des weiblichen Publikums auf Presleys Auftritte verhieß ein Star-Potenzial, das Parker sich nicht entgehen lassen wollte. Ab August 1955 fungierte er für Presley und dessen Manager Bob Neal als Berater und ließ erfolgreich seine Kontakte zu RCA und den Musikverlegern Jean und Julian Aberbach von Hill & Range spielen, unter deren Dach später die Musikverlage Elvis Presley Music und Gladys Music entstanden – an beiden war Presley mit 50% beteiligt. Nach erfolgtem Wechsel des Jungstars zu RCA löste Parker Bob Neal endgültig ab, schloss einen Managementvertrag mit Presley, der eine 25%ige Provision vorsah, kündigte bald darauf seine Geschäftsverbindung zu Hank Snow und war bis 1977 exklusiv für Elvis Presley tätig. [53]

Um die Karriere seines Klienten auf nationaler Ebene Schub zu verpassen, setzte Parker 1956 zunächst ganz auf das Medium Fernsehen während RCA ihren Nachwuchskünstler parallel in den Pop, R&B und Country-Charts bewarben, darauf bedacht, ein möglichst breites Publikum für den jungen Star zu interessieren. [54]

Erste Plattenaufnahmen bei RCA

Steve Sholes – zuständig für den Bereich Artist & Repertoire bei RCA – war maßgeblich beteiligt am Kauf der Südstaatensensation Elvis Presley. Kaum war der Kauf vollzogen, plagten ihn jedoch Zweifel, ob er sich mit Zahlung der bis dato unerhörten Kaufsumme nicht doch zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Und die erste Aufnahmesession, die im Januar in den RCA Studios in Nashville stattfand, war auch nicht dazu angetan, Sholes zu beruhigen, hatte sein Nachwuchstalent doch eine in seinen Augen sehr individuelle Art, Songs einzuspielen: Presley las keine Noten und spielte rein nach Gehör, wobei er jeden Song perfektionistisch so häufig wiederholte, bis er sich ganz sicher war, die Emotion des Songs bestmöglich transportiert zu haben. Dazu trug er den Song im Studio vor, als würde er vor einem Live-Publikum auftreten. [55]

Wohl der einzige, der bei dieser ersten Aufnahmesession im Januar 1956 überhaupt nicht nervös zu sein schien, war Elvis selbst. Nachdem er – unterstützt von Scotty Moore, Bill Black, dem bekannten Gitarristen Chet Atkins, Floyd Kramer am Piano und Sänger Gordon Stoker vom Gospel-Quartett Jordanaires – „I Got A Woman“ aufgenommen hatte, stürzte er sich auf „Heartbreak Hotel“, eine düstere Ballade mit Selbstmordthematik, die Mae Axton mit Tommy Durden speziell für Elvis geschrieben hatte. Heartbreak Hotel war eine seltsame Songwahl in den Augen der RCA-Verantwortlichen, stand die düstere, weltverdrossene Atmosphäre des Songs doch in so krassem Gegensatz zu dem lebhaften, unbändigen Image, das Elvis Sun-Aufnahmen ausgestrahlt hatten. Auch die anderen Songs dieser 1. RCA-Session wie „Money Honey”, “I’m Counting on You” und “I Was The One” klangen nicht wirklich wie die Sun-Aufnahmen, schon allein weil mehr Musiker zum Einsatz kamen, und einige bei RCA waren sogar der Meinung, man sollte sie gar nicht erst veröffentlichen. [56] Doch alle Zweifel waren schnell vergessen als „Heartbreak Hotel“ im Frühjahr 1956 an Carl Perkins „Blue Suede Shoes“ vorbei auf Platz 1 der Billboard Single Charts sowie der Billboard Country Charts (plus Nr. 5 der Rhythm & Blues Charts) schoss und zugleich Presleys erste Goldene Schallplatte wurde. Auch die erste LP „Elvis Presley“, auf der Songs aus der Sun-Zeit mit den neuen RCA-Aufnahmen kombiniert wurden, erreichte nur wenige Wochen nach Erscheinen die Nr. 1 der Billboard Top LP Charts – sie repräsentierte damit das erste Millionen-Dollar-Album in der Geschichte RCAs. [57]

Inwieweit Presley überhaupt etwas von den anfänglichen Zweifeln seiner neuen Plattenfirma ahnte, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, doch nach weiteren Sessions in den RCA-Aufnahmestudios in New York und Nashville war er sich wohl klar darüber, dass er von seinem neuen Label nicht viel an richtungweisender Initiative erwarten konnte. Da er und sein Manager Parker eine konsequente Arbeitsaufteilung praktizierten, bei der Parker sich ausschließlich auf die finanziellen, Elvis sich hingegen ganz auf die künstlerischen Belange konzentrierte (Parker war so gut wie nie anwesend bei Studio-Sessions), übernahm er ab der Aufnahmesession im Juli 1956, aus der die Hit-Single Hound Dog/Don’t Be Cruel hervorging, endgültig selbst die Leitung seiner Plattenaufnahmen, was er seine gesamte weitere Karriere hindurch beibehielt, ohne je in irgendeiner Form als Produzent genannt zu werden. Elvis' Version von Hound Dog schrieb Musikgeschichte, weil sie sich gleichzeitig sowohl in den amerikanischen Pop – als auch den Rhythm-and-Blues – sowie Country-Charts als die jeweilige Nummer eins platzieren konnte und mit über sechs Millionen verkaufter Platten der erste erfolgreiche Crossovertitel der US-Chartgeschichte wurde. 1957 sollten Elvis mit „All Shook Up“, „Teddy Bear“ und „Jailhouse Rock“ gleich 3 weitere Crossover-Charttopper gelingen. Nur einige Highlights in einer beeindruckenden Serie an Charterfolgen Elvis Presleys, der in dieser Zeit auch international immer erfolgreicher wurde. [58]

Nationaler Durchbruch mit Live-Auftritten im Fernsehen

Am 28. Januar 1956 trat Elvis erstmals in der Jimmy und Tommy Dorsey Stage Show (CBS) auf, einer der im damaligen US-Fernsehen beliebten wöchentlichen Varietè-Sendungen mit Sängern, Tänzern und Komödianten, die vor Live-Publikum stattfand. In das Programm der Stage Show, das im gediegenen Ambiente an diesem Abend unter anderen die etablierten Sängerinnen Sarah Vaughan und Ella Fitzgerald im Abendkleid präsentierte, platzte Presley mit den Songs „Shake, Rattle, and Roll“ sowie „I Got A Woman“, seiner explosiven Bühnenshow, bei der er sich permanent bewegte, und überhaupt seiner gesamten Erscheinung im reinsten Beale-Street-Look mit ungewöhnlich langen Haaren und Koteletten wie eine Bombe. Im Vergleich zu seinen Kollegen wirkte er wild, roh und äußerst fremdartig, was vor allem dem jüngeren Publikum hörbar gefiel. 3 weitere Auftritte in der Stage Show sollten in den nächsten Wochen folgen, bei denen Elvis nicht nur seinen neuen Hit Heartbreak Hotel sang, sondern auch hör- und sichtbar seinen Auftritt perfektionierte – der Stage Show brachte es höhere Einschaltquoten, dem Entertainer weitere Auftritte im nationalen TV, ab Frühjahr 1956 in der Milton Berle Show, einer in den 1950ern sehr populären Sendung mit höherer Reichweite als die Stage Show. [59]

Seinem Auftritt bei Milton Berle am 5. Juni 1956, bei dem Presley erstmals Hound Dog zum besten gab und dabei während eines langsameren Blues-Teils zur Begeisterung vor allem des jungen Zuschauer vor dem Mikrofon besonders rhythmische Hüft- und Beinbewegungen machte, folgte ein nationaler Aufruhr ungeahnten Ausmaßes in den Medien, die Presley von nun an als Personifikation der die Teenager Amerikas verderbenden Rock 'n' Roll-Bewegung brandmarkte. Der Auftritt wurde mehr oder minder deutlich als Striptease auf offener Bühne interpretiert, die New York Herald Tribune zum Beispiel nannte Elvis „unspeakingly untalented and vulgar“, Elternverbände, religiöse Gruppierungen sowie Lehrerorganisationen liefen Sturm gegen die Sensation aus den Südstaaten [60], die den plötzlichen Aufruhr nicht so ganz nachvollziehen konnte:

“When I first started doing my performances, everyone was happy. All the kids came out and had a good time and released a lot of energy and no one was getting hurt. It lasted that way about two years. […] But during the past six or seven month, I’ve gotten criticism from a lot of people for ‘losing myself’ in my performances singing the way I do on stage. I can’t really understand it. […] I guess the more popular you are, the more criticism you get. […] I can’t explain what happens when the music starts. But I think you know what it is like to get all tied up in something, to get lost in it. That’s what singing and music does to me. It ties me up. It makes me forget everything else except the beat and the sound. It tells me more than anything else I’ve ever known how good, how great it is just to be alive.”

Elvis Presley 1956 [61]

Die hitzige Kontroverse führte dazu, dass sich weitere Fernsehshows um den Mann aus Memphis rissen, der so zielsicher hohe Einschaltquoten garantierte. Die nächste Fernsehshow, die Elvis Presley buchte, war die erst im Juni 1956 neu gegründete Steve Allen Show, die sich in direkter Konkurrenz zur Nr. 1 unter den Shows – der Ed Sullivan Show – positionieren wollte. Das Programm der Steve Allen Show bestand im Wesentlichen aus Sketchen – und als komische Einlage wurde auch Elvis Presley hier präsentiert, wohl auch, um die ausgebrochene Kontroverse nicht gegen die neue Show zu richten. Die komische Einlage sah so aus, dass Presley – gekleidet in einen Frack – seinen Song „Hound Dog“ zu einem lebenden Basset sang, den man auf einen Sockel gesetzt hatte. Elvis Presley war gezähmt, zumindest vorübergehend, was seine Fans am nächsten Tag mit Protestplakaten vor dem Fernsehstudio „we want the gyrating Elvis“ kommentierten. Er selbst ließ sich während dieses denkwürdigen Auftritts keinerlei Verärgerung oder Verunsicherung anmerken, sondern dokumentierte neben einer ordentlichen Portion Coolness auch viel Sinn für Humor. Steve Allen hatte sein Ziel erreicht, seine Einschaltquote überstieg die von Ed Sullivan. [62]

Fast schon naturgemäß war Elvis nächste Station die Ed Sullivan Show, in der er laut Ed Sullivan eigentlich nie hätte auftreten sollen – wäre da nicht die Sache mit Steve Allen und den Einschaltquoten gewesen. Seine ersten beiden Auftritte dort am 9. September und 28. Oktober 1956 verliefen ohne besondere Vorkommnisse, wenn sie auch nicht gerade dazu angetan waren, die Kontroverse um „Elvis the Pelvis“ abzukühlen. Wohl deswegen entschlossen sich Ed Sullivan und der Sender CBS Presley bei seinem letzten Auftritt am 6. Januar 1957, bei dem er „Don’t Be Cruel“, „Too Much“, „When My Blue Moon Turns To Gold Again“ und den Gospel „Peace in the Valley“ sang, zu zensieren, indem sie ihn nur von der Hüfte aufwärts filmten. [63]

Die Charterfolge und Fernsehauftritte Elvis Presleys 1956/57 brachten Rock 'n' Roll, ein Genre, das ja – auch nach Elvis’ eigenem Bekunden [64] – schon einige Jahre in verschiedenen Ausprägungen existierte (vgl. Bill HaleyRock Around The Clock“), noch mehr in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, wo es an den Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft zu rütteln schien. Rock 'n' Roll und sein nun berühmtester Repräsentant Elvis Presley wurden verantwortlich gemacht für eine breite Palette gesellschaftlicher Missstände: Zusammenbruch der Moral sowie kultureller Wertvorstellungen, Rassenvermischung, Jugendkriminalität und Gottlosigkeit. [65].

Eroberung der Kino-Leinwand

Elvis Presley im Film Jailhouse Rock (1957)

Durch einen der ersten Fernsehauftritte Elvis Presleys in Jimmy und Tommy Dorseys Stage Show Anfang 1956 wurde Filmproduzent Hal B. Wallis auf den jungen Mann aus Memphis aufmerksam. Wallis hatte lange sehr erfolgreich als Filmproduzent für Warner Brothers gearbeitet – hier produzierte er unter anderem den Klassiker Casablanca –, bevor er ab 1944 als unabhängiger Produzent tätig wurde und seine Filme über Paramount Pictures und später Universal Studios vertrieb. Wallis hatte unter anderen das Duo Dean Martin und Jerry Lewis für das Genre des „comedy musical“ entdeckt. Auf der Suche nach einem Nachwuchstalent, das vor allem die jüngere Zielgruppe ins Kino locken sollte, war er von der charismatischen Erscheinung Presleys begeistert und setzte sich gleich mit dessen Manager in Verbindung, um einen Screentest zu vereinbaren, der dann auch am 26. und 27. März 1956 in Hollywood stattfand. [66]

Der Sceentest, der unter anderem eine dramatische Szene für eine Nebenrolle in „The Rainmaker“ (dt. Der Regenmacher, Hauptdarsteller Burt Lancaster und Katherine Hepburn) beinhaltete, überzeugte Wallis, dass Presley genügend schauspielerisches Talent und Ausstrahlung hatte, um auf der Kinoleinwand ein Erfolg zu werden. [67] Auch Elvis selbst – ein großer Kinofan – war begeistert von der Aussicht, auch als Schauspieler reüssieren zu können, zumal er davon überzeugt war, dass Entertainer, die sich langfristig etablieren wollten, gut daran taten, sich wie Bing Crosby oder Frank Sinatra vor ihm ein zweites Standbein in der Schauspielerei zu schaffen.[68] Screentest und Verhandlungen mündeten sogleich in einem (nicht exklusiven) Vertrag über 3 Filme, der inkl. Optionen für 7 Jahre verlängert werden konnte.[69], wobei man Presley wegen seines Südstaatenakzents dann doch nicht für „The Rainmaker“ einsetzte, sondern an Twentieth Century Fox für die Produktion von „The Reno Brothers“ – einem im amerikanischen Bürgerkrieg angesiedelten Drama – auslieh, in dem er neben Debra Paget und Richard Egan spielte. Interessanterweise waren für diesen Film, der Ende 1956 in die Kinos kam, zunächst keinerlei Songs vorgesehen, was Presley, der sich als ernsthafter Schauspieler etablieren wollte, durchaus entgegenkam. Als Elvis Gesangskarriere im Laufe des Jahres abhob, baute man nachträglich 4 Songs ein und benannte den Film nach dem Titelsong Love Me Tender. Sowohl Film als auch Titelsong waren kommerziell überaus erfolgreich. [70]

Bis zur Fertigstellung von “Love Me Tender” hatte Hollywood ein tragfähiges Konzept entwickelt, wie der neue Star auf der Kinoleinwand bestmöglich in Szene gesetzt werden konnte. Die nächsten 3 Filme, die zwischen 1957 und Frühjahr 1958 entstanden – Loving You[19], Jailhouse Rock (1957)[20] sowie King Creole (1958)[21]– waren alle mehr oder weniger an die Erfolgsgeschichte des jungen Sängers, sein Image als eine Art singender James Dean angelehnt und zeichneten sich durch gut in die Story integrierte Songs, ein Set an versierten Nebendarstellern (Walter Matthau, Mickey Shaughnessy, Lizabeth Scott) und erfahrenen Regisseuren (zum Beispiel Michael Curtiz) aus. Jailhouse Rock und King Creole waren nicht nur wie ihre beiden Vorgänger an der Kinokasse sehr erfolgreich, Presley erntete für seine Leistung in Jailhouse Rock auch als Schauspieler erstmals gute Kritiken, während King Creole vielen als sein bester Film gilt. Die zentrale Gesangs-/Tanzszene in Jailhouse Rock mit dem Titelsong vom bekannten Songschreiber-Duo Jerry Leiber und Mike Stoller gilt heute als Urform des Rock-/Popvideos.[71] Die Soundtrack-EPs von Loving You, Jailhouse Rock und King Creole landeten alle drei zielsicher auf Platz 1 der US-Charts. 1957 führt Presley 21 Wochen lang die US Single Charts an, eine Steigerung gegenüber 1956 mit 18 Wochen.[72]

Aufnahmen für Soundtrack- und Studioalben fanden ab 1957 meist bei Radio Recorders in Hollywood – einem der besten Aufnahmestudios der Zeit – statt, wo Elvis Presley sich besser aufgehoben fühlte als in den RCA-Studios in Nashville oder New York, da er hier in dem erfahrenen Toningenieur Thorne Nogar eine Unterstützung fand, die ihm Steve Sholes oder Chet Atkins bei RCA bislang nicht hatten bieten können.[73] Parallel zu Filmaufnahmen, Studio- und Soundtrackalben war Presley auch immer wieder auf Tournee durch die USA, 1957 auch in Kanada, spielte vor ausverkauftem Haus und wurde wegen der heftigen Reaktionen seiner Fans von Polizeieskorten zu seinen Auftritten begleitet. Um das aufgeregte Publikum davon abzuhalten, nach Elvis’ Auftritten die Bühne zu stürmen, entsteht in dieser Zeit das mittlerweile zum geflügelten Wort avancierte „Elvis has left the building“.

G.I. Presley

Am 8. Januar 1957 – an Elvis Presleys 22. Geburtstag – teilte das Einberufungsbüro in Memphis erstmals auf einer Pressekonferenz mit, dass Presley in den nächsten Monaten seinen Einberufungsbescheid zum Militär erhalten würde. Kurz vor Weihnachten 1957, das Presley gemeinsam mit seinen Eltern in dem erst im März erstandenen neuen Wohnsitz Graceland verbrachte, ging der offizielle Einberufungsbescheid zu, den Presley mit den Worten kommentierte: „[It is a] duty I got to fill and I’m going to do it“. Letzteres allerdings nicht bevor die Filmaufnahmen für „King Creole“ abgeschlossen waren, eine Bitte, die von den Militärbehörden umgehend gewährt wurde. [74] Gleich eine ganze Reihe von militärischen Einheiten gab verlockende Angebote ab, um den Jungstar für die Eigenwerbung einzusetzen. Die Marine wollte gar eine eigene „Elvis Presley Company“ gründen, die Luftwaffe wollte das Symbol der amerikanischen Jugendkultur gezielt für die Anwerbung von Rekruten einsetzen – und man schien sich allgemein sicher, dass Presley, wie viele andere Berühmtheiten vor ihm, zumindest den Weg der Special Services wählen würde, bei dem nicht ein normales Soldatenleben, sondern der komfortablere Sondereinsatz in Sachen Unterhaltung der G.I.-Kollegen auf ihn gewartet hätte. [75]. All dies kam für Elvis nicht in Frage. Trotz großer Befürchtungen, was eine zweijährige Abwesenheit von Aufnahme-, Filmstudio und Bühne an negativen Folgen für seine Karriere haben könnte, hatte er weder vor, sich zu drücken, noch sich instrumentalisieren zu lassen, und entschied sich mit den Worten „Wenn die Army mich singen sehen wollte, hätte sie mich nicht einberufen sollen“ für das normale Soldatenleben [76]. Ein Umstand, dessen Nachteile sein Manager und die Plattenfirma RCA mit vereinten Kräften durch gezielte PR sowie Singleveröffentlichungen während seiner Abwesenheit in einen Vorteil umzumünzen gedachten. Die Rechnung sollte aufgehen und der Bürgerschreck aus Memphis mutierte so zum All American Boy.

Soldat Presley auf der USS Randall Richtung Deutschland 1958

Am 24. März 1958 trat Elvis Presley als US Army Private mit der Nr. US 53 310 761 in Fort Chaffee, Arkansas seinen Wehrdienst an. Die Grundausbildung absolvierte er in Ford Hood, Texas bis zum 17. September 1958 – er wurde für den Einsatz in einem Panzerbatallion ausgebildet.[77] Im Juni hatte er während eines Kurzurlaubs die vorerst letzte Möglichkeit zu einer Studiosession, die aus Zeitgründen in RCA’s Studio B in Nashville stattfand. Die daraus resultierenden Hits wie zum Beispiel „I Need Your Love Tonight“, „A Big Hunk o’ Love“ sowie die früher aufgenommenen, aber noch nicht veröffentlichten „One Night“ und „I Got Stung“ hielten das Interesse an ihm in der nächsten Zeit ebenso wach wie die EPs „King Creole Vol. 1 + 2“, „Christmas with Elvis“, „Elvis Sails“, „A Touch of Gold 1 + 2“ und Alben„ Elvis Gold Records 1 + 2“. [78]

Bevor Elvis Presley mit dem Truppentransporter USS Randall von New York aus seine Reise nach Deutschland antrat, wo er vom 1. Oktober 1958 bis 2. März 1960 im Panzerbatallion der 3rd Armored Division in Friedberg seinen Dienst tat [79], ereilte ihn ein persönlicher Schicksalsschlag. Am 14. August 1958 verstarb seine Mutter, die schon einige Zeit nicht bei guter Gesundheit gewesen und zudem an Hepatitis erkrankt war, im Alter von nur 46 Jahren an Herzversagen. Elvis, der ein sehr enges Verhältnis zu beiden Eltern, besonders aber zu seiner Mutter hatte, war am Boden zerstört. [80] In Deutschland angekommen wohnte er zunächst im Hotel Grunewald in Bad Nauheim bevor er mit seinem Vater Vernon und seiner Großmutter Minnie Mae sowie zwei Entourage-Mitgliedern im selben Ort ein Privathaus in der Goethestraße 14 anmietete. Soldaten, die Elvis Presley während seiner Zeit in der Army persönlich kennen lernten, beschrieben ihn als fähigen, sehr umgänglichen, trotz seines Ruhms bodenständig gebliebenen und großzügigen Zeitgenossen. So spendierte er seiner Truppe auf eigene Kosten Ersatz für die sehr dürftige Ausstattung an Unterwäsche und Freizeitbekleidung, seinen Sold spendete er wohltätigen Einrichtungen und die Angestellten der Basis durften sich über Fernsehgeräte freuen. [81] Die Militärkarriere von Presley wird gemeinhin als sehr erfolgreich bezeichnet – er zeigte Führungsqualitäten, wurde mehrfach befördert, seine Dienstakte enthielt eine Reihe von Belobigungen und er verließ die Army nach nur zwei Jahren als Sergeant. [77] Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, was Sergeant Presley selbst zu seinem Militärdienst sagte:

“People were expecting me to mess up, to goof up. They thought I couldn’t take it, and I was determined to go to any limits to prove otherwise.”

Elvis Presley 1960 [82]

In privater Hinsicht war seine Zeit in der Armee in dreifacher Hinsicht bedeutsam. Presley entdeckte seine Liebe zum Karatesport, den er sein weiteres Leben hindurch mit viel Engagement betreiben sollte – er nahm in Deutschland und Paris Privatstunden bei dem deutschen Karatelehrer Juergen Seydel sowie dessen japanischen Kollegen Tetsuji Murakami. Verschiedenen Quellen zufolge machte die Armee ihn auch erstmals vertraut mit der Einnahme von Amphetaminen, die an Soldaten ausgegeben wurden, um unter anderem auf Manövern länger durchzuhalten. Im September 1959 lernte er zudem auf einer seiner Partys in der Goethestraße 14 seine spätere Ehefrau Priscilla Beaulieu kennen. Die damals erst 14-jährige Schülerin – Stieftochter eines in Wiesbaden stationierten Captains der Air Force – wurde ihm durch einen gemeinsamen Freund vorgestellt. [83].

Hollywood (1960–1968)

Als Elvis Presley am 3. März 1960 [84] nach anderthalb Jahren Wehrdienst in Deutschland erstmals wieder amerikanischen Boden betrat, hatte sich die Musiklandschaft beträchtlich verändert. Gleich eine ganze Reihe seiner ehemaligen Chart-Mitstreiter aus der Rock-’n’-Roll-Ära hatten ihre Erfolgsserie nicht aufrechterhalten können. Jerry Lee Lewis war durch die Heirat seiner minderjährigen Cousine in Ungnade gefallen, was ebenso zu einem Karriereknick führte wie der spätere Gefängnisaufenthalt von Chuck Berry, und Little Richard hatte dem Rock ’n’ Roll zugunsten der Kirche entsagt. Die viel versprechende Karriere von Buddy Holly hatte am 3. Februar 1959 mit einem Flugzeugabsturz geendet – mit ihm waren die Rock ’n’ Roller Ritchie Valens und The Big Bopper ums Leben gekommen. Zudem bevorzugte eine nun neu herangewachsene Hörerzielgruppe statt harter Rock-’n’-Roll-Rhythmen den leichtgängigeren Popsound eines Bobby Darin oder Frankie Avalon. [85] Diese Entwicklung traf Elvis Presley keinesfalls unvorbereitet, war er doch im Bad Nauheimer Exil stets auf dem Laufenden geblieben und hatte sich im Rahmen privater Tonaufnahmen mit einer ganzen Reihe von Songs, darunter unter anderen ein Vorläufer seines späteren Hits Are You Lonesome Tonight, beschäftigt. [86] Die generelle Entwicklung weg vom Rock 'n’ Roll hin zu einem rockigen Popsound eröffnete Presley, der sich neben seiner Schauspielkarriere vor allem langfristig als Sänger etablieren wollte und sich in den unterschiedlichsten Genres zuhause fühlte, zunächst neue künstlerische Möglichkeiten.
 

Elvis is back: Studio-Highlights 1960 bis 1963

Am 20. März 1960 fand im RCA Studio B in Nashville Elvis Presleys erste Aufnahmesession seit Juni 1958 statt. Zu diesem Ereignis, das Steve Sholes von RCA in humorvoller Anlehnung an die amerikanische Invasion im zweiten Weltkrieg E-Day nannte, versammelten sich die Chefetage der Plattenfirma und – dies eine absolute Ausnahme – auch Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker mit Assistent Tom Diskin sowie Freddy Bienstock, beim Musikverlag Hill & Range verantwortlich für den Katalog von Elvis Presley und Gladys Music, im Aufnahmestudio. Presley begann die Session nach dem für ihn üblichen Aufwärmritual, das darin bestand, mit den Session-Musikern, darunter die alten Weggefährten Scotty Moore und Bill Black, sowie den Jordanaires Gospels zu singen, mit Stuck on You. Der Song war ein zeitgemäßer rockiger Popsong in der Tradition von All Shook Up und Don’t Be Cruel, war aber nur das Pflichprogramm für die Session. Schon die erste Aufnahme machte allen Anwesenden klar, dass Presley nichts von seinen Fähigkeiten verloren hatte. Zudem hatte seine Stimme unverkennbar an Reife und Umfang gewonnen, was er anhand der Blues-Titel It Feels So Right und A Mess of Blues sowie der Ballade Fame and Fortune bewies. [87] Stuck On You wurde wie erhofft ein Millionenhit und schoss fast unmittelbar auf Platz 1 der Pop-Charts, wo er ganze vier Wochen seine Spitzenposition verteidigen konnte. In den Rhythm & Blues-Charts erreichte der Song Platz 6. [88]

Die zweite Aufnahmesession Anfang April 1960 setzte die Erfolgsserie fort. Mit Leichtigkeit und absoluter Konzentration verfolgte Presley sein Ziel, sich als vielseitiger Songinterpret zu beweisen. Neben einer Reihe neuer zeitgemäßer Kompositionen aus dem Portfolio seiner Musikverlage wählte Presley zielsicher eine Reihe seiner Lieblingsklassiker, wie zum Beispiel Fever und den Blues Reconsider Baby - bei dem Homer „Boots“ Randolphs Saxophon-Solo erwähnenswert ist -, während er mit dem fast opernhaften It’s Now Or Never – basierend auf dem alten italienischen Volkslied O Sole Mio – Neuland betrat. Die vielseitige Session brachte zudem einen weiteren Klassiker hervor, nämlich das Liebeslied Are You Lonesome Tonight, die einzige Aufnahme in Elvis Presleys langer erfolgreicher Karriere, die auf eine Anregung seines Managers Colonel Tom Parker zurückging. Sowohl It’s Now or Never als auch Are You Lonesome Tonight wurden Nr.-1-Hits in den Pop-Charts sowie Top-Ten-Hits in den R&B-Charts. Passend zu Presleys ausgesprochen erfolgreichem Comeback hieß auch das Album, das 1960 erschien und Platz 2 der Pop-Album-Charts in den USA erreichte, Elvis Is Back. Diese Studioaufnahmen fielen dadurch auf, dass sie nicht in eine bestimmte musikalische Richtung wiesen, auch keineswegs nahtlos an Presleys Aufnahmen bis 1958 anschlossen und dennoch vollkommen in Sinne Presleys waren, indem sie unterschiedliche musikalische Genres verbanden, Genregrenzen überwanden und damit vollkommen sein Selbstverständnis („I don’t sound like nobody“, „I sing all kinds“) repräsentierten. [89]

Weitere erfolgreiche Studio-Alben folgten 1961 mit Something for Everybody und 1962 mit Pot Luck und auch das Gospel-Album His Hand In Mine von 1960 erwies sich langfristig als Erfolg. Zu der Serie von Hit-Singles, die sich (teilweise parallel) zwischen 1960 und 1963 in den Top-5 der Billboard-Pop, -R&B und den neu gegründeten Adult Contemporary Charts platzieren konnten, zählten Surrender, I Feel So Bad, Marie Is the Name Of His Latest Flame, Can’t Help Falling In Love, Little Sister, Good Luck Charm, Follow That Dream, She’s Not You, Return to Sender und You're the Devil In Disguise. Einige dieser Songs wurden zudem große internationale Hits. [90]

Wie schon bei den RCA-Sessions vor seiner Militärzeit leitete Presley diese auch jetzt selbst, während Steve Sholes und/oder Chet Atkins, die offiziell als Produzenten fungierten, sich betont im Hintergrund hielten. [91] Elvis Presley wählte selbst anhand von Demobändern seine Songs aus, erarbeitete bzw. veränderte dann gemeinsam mit den Studiomusikern die Arrangements, bestimmte welche Aufnahmeversion zur Veröffentlichung freigegeben wurde und in der Regel auch die A- und B-Seiten der Singles. [92] Mehrfach Ärger gab es, wenn er anhand seines persönlichen Acetats, das direkt in Anschluss an die Aufnahmesession vom Band gemacht wurde, feststellte, das die RCA-Ingenieure bei der Postproduktion die Abmischung seiner ausgewählten Version verändert hatten, zum Beispiel um seine Stimme mehr in den Vordergrund zu stellen. So bestand er darauf, dass die Abmischung von It’s Now Or Never wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt wurde, nachdem er bei Vergleich seines Acetats mit einer Testpressung festgestellt hatte, dass Änderungen vorgenommen worden waren. [93]

Schauspielkarriere und Soundtrackalben

Zwischen 1960 und Anfang 1969 drehte Elvis Presley 27 Filme – meistens Musikkomödien – und zu beinahe jedem der Filme erschien ein Soundtrackalbum. Der Schwerpunkt seiner Arbeit in den sog. Hollywoodjahren lag ganz eindeutig auf Filmproduktionen und Alben während in den 50er Jahren Konzerte, Filme und Plattenaufnahmen parallel existiert hatten. Elvis Presleys Auftritt in Frank Sinatras Timex TV Show Ende März 1960 war bis zum Special ELVIS 1968 sein letzter Fernsehauftritt und nach seinem Benefiz-Konzert Ende März 1961 in der Bloch Arena in Honolulu trat er erst ab 1969 wieder live auf. [94] Elvis Presleys Schauspielkarriere sollte sich in diesen Jahren ganz anders entwickeln als er sich dies nach dem viel versprechenden Start vor seiner Armeezeit erhofft hatte und die enge Koppelung der Filme an seine Musik führte in eine künstlerische Sackgasse.

Der erste Film nach seinem Wehrdienst war wieder eine Hal Wallis-Produktion mit dem Titel G.I.-Blues (1960), eine Musikkomödie in der Elvis den sympathischen, in Deutschland stationierten G.I. Tulsa McLean spielt, der nach einer Reihe von Verwicklungen die Liebe seines Lebens findet und dabei eine Menge Songs singt, darunter den Titelsong und die Ballade „Wooden Heart“ (basierend auf dem deutschen Volkslied „Muss i denn“) [95] Der Film war enorm erfolgreich, er erreichte Platz 2 auf der Kinohitliste der Zeitschrift Variety, das dazugehörige Soundtrackalbum schoss sogleich auf Platz 1 der Billboard-Pop-Albumcharts und wurde mehr als doppelt so häufig gekauft wie das Studioalbum „Elvis is Back“, das einen sehr guten 2. Platz in den Pop-Album-Charts erzielt hatte. Auch die Filmkritiker waren diesmal zufrieden, nur Elvis war es nicht, fand er doch, dass die Songqualität nicht mit der seiner 1950er-Filmproduktionen mithalten konnte, zudem waren es für ihn zu viele Songs, die auch nicht alle Sinn in der Handlung machten. [96] Die nächsten beiden Filme – den Western „Flaming Star“ (1960) und das Melodram „Wild in the Country“ (1961), die unter dem Dach von Twentieth Century Fox entstanden, waren eher nach Elvis Presleys Geschmack. Es sind dramatische Rollen mit wenigen Songs. Für viele gehört Presleys schauspielerische Leistung in „Flaming Star“ sowie seine Rolle als Tony Kwimper in der Sozialsatire „Follow That Dream“ (1962) zu seinen besten. [97] Doch keiner dieser Filme war so erfolgreich wie G.I. Blues und keiner sollte an den kommerziellen Erfolg der Musikkomödie “Blue Hawaii” (1961) heranreichen, wieder eine Hal Wallis-Produktion, die Elvis Presley ein für alle mal auf das Genre der Teenager-Musikkomödie festlegte, in der er einen charmanten und vor allem singenden Sonnyboy an einem möglichst exotischen Urlaubsort, umgeben von einer Menge hübscher Mädchen darstellte. Das Soundtrack-Album mit ganzen 14 Songs platzierte sich sicher auf Platz 1 der Album-Charts und war das sich am besten verkaufende Elvis-Album zu seinen Lebzeiten [98]

Neben dem langjährigen Filmvertrag mit Hal Wallis, der über Paramount vertrieb, handelte Presleys Manager – ein Verhandlungsgenie, das seine Geschäftspartner gern an ihre Grenzen führte – mit einer ganzen Reihe weiterer Filmproduktionsunternehmen, zum Beispiel Twentieth Century Fox, United Artists und MGM, zum Teil langfristige lukrative Verträge aus, die klar die finanziellen Rahmenbedingungen festlegten – darunter eine Gewinnbeteilung seines Stars –, nicht aber die Rollen. Das machte Elvis Presley zu einem gut bezahlten Vertragsschauspieler ohne Einfluss auf die Art seiner Filmrollen und – da es sich um Musicals handelte – auch die der Songs in den Filmen, bis Ende des Jahrzehnts vertraglich gebunden an eine Filmkarriere, über die er sich ab 1964 keine Illusionen mehr machte und die er zunehmend ablehnte. [99] Da das Elvis-Musical über Jahre kommerziell erfolgreich war – Elvis Presley zählte 5 Jahre lang zu den Top 10 Kassenmagneten [100] – hatte nach Blue Hawaii auch keine der Produktionsfirmen ein gesteigertes Interesse daran, mit der Formel des Presley-Musicals zu brechen. Ab 1964 wurden die Filme zudem – um Produktionskosten zu sparen – in immer kürzeren Drehzeiten fertig gestellt, statt qualitätsbewusster Regisseure übernahmen solche das Ruder, die in der Lage waren, einen Film in weniger als 3 Wochen fertig zu stellen, wie zum Beispiel Sam Katzman, den man in Hollywood den „King of the Quickies“ nannte. Die Filme „Kissin’ Cousins“ (1964), „Harum Scarum“ (1965), bei denen Katzman Regie führte, sind zusammen mit „Double Trouble“ (1967), bei dem Norman Taurog die Regie hatte, Beispiele für diese Verfahrensweise. [101]

Schauspieler und namhafte Regisseure, die mit Elvis Presley gearbeitet haben, attestierten ihm durchaus schauspielerisches Talent, allerdings mit wenig Möglichkeiten dies in seinen Filmen auch einzusetzen.[102]. Es war auch nicht so, dass er nie für anspruchsvollere Rollen im Gespräch war [103], aber weder sein Management – fest überzeugt von der Strategie des Crossover-Marketings „Film bewirbt Soundtrackalbum, Soundtrackalbum bewirbt Film“ – noch RCA oder die Studiobosse hatten ein ernsthaftes Interesse daran, die Situation zu verändern solange sie sich als lukrativ erwies. Offensichtlich ließ man Presley auch lange Zeit in dem Glauben, dass man anspruchsvollere Drehbücher für ihn suchen würde, denn erst als Hal Wallis 1964 in einem Interview verlauten ließ, dass anspruchsvolle Filme wie sein oscarträchtiger Streifen „Becket“ nur möglich seien durch künstlerisch weniger anspruchsvolle, dafür kommerziell erfolgreiche Unterhaltungsfilme wie die Elvis Presleys, war auch dem Star endgültig klar, das sich nichts ändern würde [104] Sein Enttäuschung darüber sollte noch lange nachhallen:

“That’s what I’m saying, the movies were made, I mean the contracts were signed 4 years in advance. So I had thought that they would try to get a new property for me or give me a chance to show some kind of acting ability or do a very interesting story, but it did not change, it did not change and so I became very discouraged. They couldn’t have paid me no amount of money in the world to make me feel any self satisfaction inside. […] I literally took it as long as I could physically, emotionally and everything […] I don’t think anybody was consciously trying to harm me, it was just that Hollywood’s image of me was wrong and I knew it and I couldn’t say anything about it. […] I’d be doing a lot of pictures close together. And the pictures got very similar and they, you know, if something was successful they tried to recreate it the next time around. So I’d read the first four or five pages [of the script] then I’d know that it was just a different name, with 12 new songs in it, the songs mediocre – in most cases you can’t get good songs. […] I didn’t know what to do, I just felt that I was obligated very heavily a lot of times to things that I didn’t fully believe in. […] It worried me sick, so I had to change that which I did.”

Elvis Presley 1972 [105]

Die Sackgasse, in die Elvis Presleys Filmkarriere Mitte der 1960er Jahre geraten war, fand ihr Pendant in seiner Musik. Die anspruchsvollen Studioalben, die Elvis Presley zwischen 1960 und 1963 herausbrachte, waren zwar gut in den Charts positioniert und auch kommerziell erfolgreich, aber sie waren nicht ganz so erfolgreich wie die Soundtrackalben der Musicals „G.I. Blues“ und „Blue Hawaii“. [106] Management und Plattenfirma zogen daraus den Schluss, dass die Musicalnummern aus den Filmen grundsätzlich besser beim Publikum ankamen, was allerdings nicht erklärte, wieso auch Songs wie „It’s Now Or Never“ es ohne Film bis an die Spitze der Charts schafften. Man übersah einfach, dass eine wesentliche Ursache für das schlechtere Abschneiden der Studioalben weniger im Anspruch als im Marketing lag. [107] So enthielten die Studioalben anderer Künstler selbstverständlich die Hitsingles ihrer letzten Aufnahmesession, was die Attraktivität des Albums für den potenziellen Käufer natürlich steigerte. Nicht so im Falle von Elvis. Hier wurden die Hits nicht auf den dazugehörigen Alben veröffentlicht ("It's Now or Never" und "Are You Lonesome Tonight" waren z.B. nicht auf "Elvis Is Back" enthalten), die Alben folglich auch nicht nach den Hits benannt, sondern die Hits wurden auf Colonel Tom Parkers Bestreben hin auf früh installierten Sonderkollektionen wie der Golden Records Reihe veröffentlicht. Folglich gab es parallel Hitsingles, die viel im Radio gespielt wurden und hoch in den Charts waren, kommerziell extrem erfolgreiche Sonderkollektionen und Studioalben, die ohne Hitsingles und wenig Radiopromotion auskommen mussten. Ein Grund, weshalb viele gute Songs von diesen Alben bis heute relativ wenig bekannt sind, während die Hits fast jeder schon einmal gehört hat. Die Soundtrackalben und die entsprechenden Singles hingegen erhielten ihre Promotion durch den Film. Ihr Erfolg führte zu immer mehr Filmen, immer mehr Soundtrackalben und 1964 letztendlich zum vorläufigen Verzicht auf neue Studioaufnahmen. Auch als ab Mitte der 1960er Jahre die Chartpositionen und Verkäufe der Soundtrackalben und Singles im Inland zu sinken begann (die Auslandverkäufe waren weiterhin stabil), begann man nicht wirklich, diese Strategie zu überdenken. Man brachte einfach noch mehr Elvis-Singles auf den Markt (1964 alleine 6), die zusammen mit mind. 3 neuen Soundtrackalben pro Jahr den Markt überfluteten. [108]

Ein weiteres Problem lag darin, dass es ob dieser Massenproduktion zunehmend schwierig wurde, eine möglichst hohe Qualität bei den Soundtrack-Songs zu halten. Freddy Bienstock vom Musikverlag Hill & Range setzte für die 12 für ein Soundtrackalbum benötigten Songs bis zu einem Dutzend Songschreiber bzw. –teams ein, die parallel ihr Glück versuchten, anhand der Anmerkungen im Filmskript möglichst gute Beiträge zu liefern. Die letztendliche Auswahl der Songs traf dann wieder Elvis, eine Auswahl, die häufig aber kaum noch der Rede wert war, da sich die Songs nach einiger Zeit genauso ähnelten wie die Filmdrehbücher. [109] Elvis Presley selbst versuchte, diese Situation nach außen hin mit so viel Haltung und Professionalität zu tragen wie eben nur möglich. Obwohl er sich beinahe ununterbrochen über das Songmaterial beklagte, lieferte er letztendlich stets eine gute Gesangsleistung. „Seine“ Musik machte er in dieser Zeit in erster Linie zu Hause, zum Privatvergnügen und zur Freude von Freunden und Bekannten, wenn er sich nicht gerade seinem neuesten Hobby, dem Lesen von spiritueller Literatur, hingab. [110]

Neuorientierung und Comeback mit TV-Special ELVIS

Mitte der 1960er-Jahre war die Musiklandschaft ein weiteres Mal im Umbruch. Die „britische Invasion“ unter der Führung der Beatles hatte endgültig die USA erreicht. Gleich mit sechs Nr.-1-Hits konnte die britische Band allein 1964 in den Billboard Pop-Charts punkten. Zwar war Presley nach wie vor mit seinen Songs kontinuierlich in den Pop-Charts, vor allem aber hoch in den sog. Adult Contemporary Charts präsent, die Trends setzten jedoch zunehmend andere. [111] 1965 war nicht nur das Jahr, in dem die Beatles ihr Idol in seinem Haus am Perugia Way in Los Angeles besuchten[112], es war auch das Jahr, in dem Elvis Presley nach eigener Aussage beschloss, seiner Karriere eine neue Wendung zu geben. [113] Diese Neuorientierung geschah zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit, indem Presley in Vorbereitung seines ersten Studioalbums seit Jahren mit Unterstützung seiner Entourage-Mitglieder Charlie Hodge und Red West – Hodge war selbst Musiker und lange mit Country-Größe Jimmy Wakely auf Tournee während Red West als Songschreiber erste Erfolge verbuchen konnte – zuhause eine Vielzahl unterschiedlicher Songs ausprobierte und diese mittels eines Heimrekorders aufnahm. [114]

Im Zuge dieser Aktivitäten kam es Ende Mai 1966 in Nashvilles RCA Studio B zur Aufnahme des Gospelalbums How Great Thou Art, für das Presley 1967 seinen ersten Grammy erhielt. [115] Künstlerischer Höhepunkt des Albums ist der Titelsong, in dem Presley gemäß seines eigenen Arrangements gleich alle vier Gesangsparts des Gospelquartett-Klassikers übernahm und damit sowohl seine gesanglichen Ambitionen als auch seine Liebe zur Gospelmusik dokumentierte. [116] How Great Thou Art erreichte einen respektablen 18. Platz in den Billboard-LP-Charts und war zudem das erste Album, bei dem Presley erfolgreich mit dem jungen RCA-Produzenten Felton Jarvis zusammenarbeitete, der sich wesentlich mehr in die Aufnahmesession einbrachte als seine Vorgänger Chet Atkins und Steve Sholes. [117]

1967/68 kam es sowohl privat als auch auf musikalischer und geschäftlicher Ebene zu einer ganzen Reihe von Veränderungen. Am 1. Mai 1967 heiratete Presley in Las Vegas Priscilla Ann Beaulieu (* 24. Mai 1945), die er Ende 1959 in Deutschland kennengelernt hatte und mit der er seit Frühjahr 1963 zusammenlebte. Das einzige gemeinsame Kind Lisa Marie Presley kam am 1. Februar 1968 in Memphis zur Welt. [118] Ab Januar 1967 trat zwischen Presley und seinem Manager zudem eine Vertragsergänzung in Kraft, die beide in stärkerem Maße als zuvor zu Geschäftspartnern machte. Die Vertragsergänzung vom 2.1.1967 sah weiterhin eine 25-prozentige Managerprovision für Parker auf alle vertraglich vereinbarten Tantiemen aus Plattenverkäufen und Filmverträgen vor, an allen Gewinnen über diese Garantien hinaus wurde er von nun an jedoch mit 50% gleichberechtigt beteiligt. [119]

Presleys musikalische Neuorientierung und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Felton Jarvis fand – trotz der anhaltenden vertraglichen Verpflichtung zu weiteren Soundtrackalben – im August 1967 eine erfolgreiche Fortsetzung in den sog. Guitar Man Sessions in RCAs Studio B in Nashville. Unterstützt durch den stets gut gelaunten und motivierenden Jarvis stürzte Presley sich auf die Aufnahme von Jerry Reeds Songs Guitar Man und Big Boss Man sowie auf High Heel Sneakers. Der resultierende Sound war anders als alles, was er bis dato aufgenommen hatte und auch nicht mit dem zu vergleichen, was damals sonst in Nashville zu hören war. Die Aufnahmen zeichneten sich durch einen lebhaften, gitarrengetriebenen Sound – zu den beteiligten Gitarristen zählten bekannte Namen wie Jerry Reed, Scotty, Moore, Chip Young, Harold Bradley – mit Elementen des R&B aus. [120] Weiteres Highlight dieser Session war Presleys spontane Entscheidung, den Gospel-Klassiker You’ll Never Walk Alone aufzunehmen, bei der er den Part am Piano selbst übernahm. Zielsicher wählte Presley Guitar Man als A-Seite seiner nächste Single aus und gab präzise Anweisungen an RCA wie der kraftvolle Groove des Songs in der Postproduktion zu erhalten sei, damit er im Radio auch noch gut zu hören war. [121] In den Charts war Guitar Man aber dennoch – wie den meisten Presley-Songs in diesem Zeitraum – zunächst kein großer Erfolg beschieden (Platz 43 in den Billboard-Pop-Charts) [122], erst später sollte Guitar Man als zentraler Song des TV-Specials ELVIS - heute meist als 68er Comeback-Special bezeichnet - bekannt werden.

Ende 1967 hatte Colonel Tom Parker Verhandlungen mit dem Fernsehsender NBC über den ersten TV-Auftritt Presleys seit 1960 begonnen. Geplant war zunächst ein reines Weihnachts-Special, das entsprechend in der Vorweihnachtszeit 1968 gesendet werden sollte. Im Frühjahr 1968 wurden die Planungen dann konkreter als zum einen Nähmaschinenhersteller Singer als Sponsor gewonnen werden konnte und NBC zum anderen ein junges und erfolgreiches Produzententeam für das Special vorschlug: Bones Howe und Steve Binder. [123] Bones Howe kannte Presley bereits, da er als Ingenieur an einigen von seinen Studioaufnahmen bei Radio Recorders in Hollywood teilgenommen hatte, und konnte seinen zunächst skeptischen Partner Binder dazu überreden, sich diese Chance nicht entgehen zu lassen. Der noch sehr junge Binder hatte sich bereits einen Namen gemacht durch die Produktion der erfolgreichen Pop-Musik-Sendung Hullabaloo, der T.A.M.I. Show mit den Rolling Stones sowie einem TV-Special mit Petula Clark und war nicht begeistert von einem Special, das einen ausschließlich Weihnachtssongs singenden Elvis Presley präsentieren sollte. [124] Auch befürchtete er, dass Presley sich ein für allemal als nicht auf der Höhe der Zeit befindlicher Entertainer herausstellen könnte. Alle seine Befürchtungen waren verflogen als er Presley das erste Mal persönlich traf und die beiden sofort einen guten Draht zueinander und keinerlei Probleme hatten, sich über aktuelle Musiktrends zu unterhalten. Vor allem die Ehrlichkeit Binders, der auf Presleys Frage wo sich seine Karriere aktuell befinde, unverblümt antwortete: „In the toilet“, gefiel wiederum Presley.

Schnell war jedoch klar, dass auch Presley seine Vorbehalte gegen ein TV-Special hatte. Seine Erlebnisse im Zuge der Steve Allen, Milton Berle und der Ed Sullivan Shows 1956 hatten ihn doch mit dem Gefühl zurückgelassen, dass TV wohl eher nicht sein Format sei während er das Aufnahmestudio als sein ureigenstes Terrain ansah. Das offene Gespräch führte zu der Vereinbarung, dass er sich ganz auf seine Musik konzentrieren sollte und TV-Mann Binder darauf, dazu die richtigen Bilder zu finden. [125] Binders Einwurf, dass man mit dem Weihnachtsthema doch sehr eingeschränkt sei, wischte Elvis weg mit der Bemerkung „Hey, we’re doing whatever we want to do. Don’t worry about it“.[126] Binder stellte darauf ein Produktionsteam mit den Autoren Alan Blye und Chris Beard zusammen, die auf der Basis von Presleys Karriere eine Art musikalische Dokumentation entwarfen, die den Werdegang des Entertainers nachzeichnete und nebenbei überhaupt nichts mit einem Weihnachts-Special zu tun hatte. Dies stieß nicht auf Gegenliebe bei Presleys Manager, aber als der Sponsor Singer sich mit der Programmänderung einverstanden erklärte, lenkte auch Parker ein. [127]

Die Show, die die Zuschauer am 3. Dezember 1968 zu sehen bekamen, war ein Mix der alten Rock'n'Roll-Klassiker wie z.B. Heartbreak Hotel, Jailhouse Rock und That’s All Right Mama, die Presley kraftvoll neu interpretierte, Balladen wie Love Me Tender, Are You Lonesome Tonight und Songs jüngeren Datums wie u.a. Guitar Man, der zusammen mit Trouble aus dem Film King Creole den dynamischen Showöffner darstellte; ferner Memories und If I Can Dream, die Presley speziell für das TV-Special auf den Leib geschrieben wurden. Ergänzt wurde das Ganze durch die Showsequenzen Road- und Gospel-Medley. Schon die Eröffnungsszene, in der Binder Presley ganz in rot und schwarz getaucht vor dem Hintergrund einer Wand präsentierte, die optisch an die Gefängnistanzszene in Jailhouse Rock angelehnt war, nur dass sie hier eine Vielzahl Elvis-Doubles zeigte, setzte den Ton für die gesamte Show: den Musiker Presley so authentisch wie möglich zu präsentieren. [128] Am deutlichsten wurde das in den beiden häufig als „Sit-down“ und „Stand-up-Show“ bezeichneten Segmenten. Erstere zeigte Presley mit einem schwarzen Lederanzug bekleidet bei einer Jam-Session mit seinen alten Weggefährten Scotty Moore und D.J. Fontana in einem Boxring-Ambiente vor Live-Publikum. In der „Stand-up“-Sequenz sang Presley in demselben Ambiente eine Reihe seiner größten Hits.

Bemerkenswerterweise waren diese zentralen, zeitlosen Show-Elemente – die „Sit-down“ oder „Informal-Section“ gilt als erste Unplugged-Show der Musikgeschichte – ursprünglich gar nicht geplant. Die Idee dazu kam Steve Binder erst während der Proben als Elvis Presley beschloss, der Bequemlichkeit halber gleich ganz in seinen Ankleideraum bei NBC einzuziehen, und Binder zufällig mitbekam, dass es zum täglichen Ritual des Stars gehörte, nach den Proben noch Stunden mit Freunden und Musikern in lockerer Atmosphäre zu musizieren. [129] Den informellen Charakter, die Spontanität und den Humor dieser Szenerie wollte Binder unbedingt in das TV-Special einbauen, was ihm gegen den anfänglichen Widerstand von Presleys Manager und Presleys eigener Bedenken, die Sequenzen, in denen er Anekdoten aus seiner Karriere erzählt, vor Publikum nicht spontan bringen zu können, durchsetzte. [130]

Das Ergebnis sprach für sich – das TV-Special ELVIS erreichte am 3. Dezember 1968 einen Zuschaueranteil von 42 Prozent und war damit NBCs Top-Show für dieses Jahr. Die Show wurde von Kritik und Publikum mit Erstaunen aufgenommen, denn niemand hatte zu diesem Zeitpunkt noch damit gerechnet, dass Presley sich so fulminant als Entertainer zurückmelden würde. Die New York Times, die ihn noch in den 1950ern als vulgär bezeichnet hatte, nannte ihn nun charismatisch und war voll des Lobes. Dabei hatte das TV-Special noch überzeugender sein können, wenn man statt der 60 Minuten die erhofften 90 Sendezeit zur Verfügung gehabt hätte – inklusive der auf Bitte des Sponsors nicht enthaltenen, da als zu anstößig empfundenen Darbietungen von Tiger Man, Trying To Get To You sowie einer Bordell-Szene. [131] Auch in den Charts machte sich der Erfolg sofort bemerkbar. Das Album zum TV-Special erreichte Platz Acht der Billboard-Pop-Charts und dokumentierte zusammen mit dem TV-Special, dass Presley endgültig zurück im Musikgeschäft war. [132]

Die Konzertjahre (1969–1977)


Nachdem Elvis sich während der 1960er-Jahre vor allem auf die Filmarbeit in Hollywood konzentriert hatte, nahm er Anfang 1969 in den American Sound Studios beim legendären Produzenten Chips Moman das erste Mal seit vielen Jahren wieder in seiner Heimatstadt Memphis auf. Diese Sessions brachten nicht nur die beiden Hit-Alben From Elvis in Memphis und Back In Memphis hervor, hier entstanden außerdem die Welthits Suspicious Minds und In the Ghetto, die Elvis nach acht Jahren Nummer-1-Hit-Flaute weltweit wieder zurück an die Spitze der Charts brachten.

1957 bezog Elvis Presley das Anwesen Graceland in Memphis

Nach sehr erfolgreichen Tourneen durch die USA und Gastspielen in Las Vegas, wo er zwischen 1969 und 1976 regelmäßig im International Hotel, dem späteren Hilton-Hotel auftrat, war im Januar 1973 ein weiterer Höhepunkt die Fernseh-Show Elvis – Aloha from Hawaii, die via Satellit ausgestrahlt wurde, als erstes Konzert weltweit live gesehen werden konnte und über eine Milliarde Menschen vor den Fernseher lockte. Auf der ganzen Welt haben mehr Menschen das Aloha-from-Hawaii-Konzert live mitverfolgt als vier Jahre zuvor die erste Mondlandung.

Anfang 1973 kam es zu einem Deal zwischen Elvis Presley, seinem Manager Colonel Tom Parker und der Plattenfirma RCA, der bis heute sehr kontrovers diskutiert und häufig irreführend als „Ausverkauf seiner musikalischer Rechte“[133] bezeichnet wird. Tatsächlich hat Elvis Presley in einem Vertrag datiert auf den 1. März 1973 gegen Zahlung einer Summe von $ 5,4 Mio. auf die ihm bis dahin vertraglich zustehende Zahlung seiner Künstlertantiemen aus dem weiteren Verkauf von Tonträgern aller bis zu diesem Zeitpunkt aufgenommenen Songs verzichtet. Das heißt er erhielt ab März 1973 keine Künstlertantiemen mehr für den Verkauf von bis dahin aufgenommenen Songs. Dies kann jedoch nicht als Rechteverkauf bezeichnet werden, da die Rechte an den Originalaufnahmen ohnehin bei der Plattenfirma RCA lagen. Trotz des Deals versiegten die Einnahmen aus dem Verkauf von Aufnahmen vor 1973 für Elvis Presley keineswegs, denn er behielt seine Verlagsrechte an eben diesen Songs. Über seine eigenen Musikverlage (Elvis Presley Music, Gladys Music, Whitehaven Music und Elvis Music, Inc.) besaß er Rechte – meist zu 30 bis 50% – an den Songs, die er aufnahm. Die Einnahmen aus diesen Rechten, die in Kraft treten sobald ein Elvis Presley Song gespielt oder gecovert wird, sind bis heute eine der größten Einnahmequellen von Elvis Presley Enterprises.[134]

Damit dürfte auch nachvollziehbar sein, dass die unter anderem von Sean O'Neal in seinem Buch „The Fall and Rise of the Presley Empire“ (bibliografische Angabe siehe Fußnote) getätigte Aussage, Elvis Presley sei zum Zeitpunkt seines Todes nicht zuletzt aufgrund des 1973er-Deals praktisch bankrott gewesen, da er an Vermögen nur sein Haus Graceland, die Wertgegenstände darin, 2 Flugzeuge und 1,2 Millionen Dollar auf einem Girokonto besaß, sehr kritisch zu sehen ist. Denn die Firmenbeteilungen und Besitztümer außerhalb Tennessees werden in dieser Bewertung der finanziellen Situation nicht berücksichtigt.

Am 31. Dezember 1975 gab Elvis das letzte große Konzert-Highlight vor der Rekordkulisse von rund 60.000 Zuschauern im damals neuen Silverdome in Pontiac, Michigan. Seine letzten Studiosongs nahm er im Oktober 1976 im sogenannten „Jungle Room“ in Graceland auf, eine geplante Session im Januar 1977 in Nashville fand wohl aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr statt.

Elvis absolvierte in seinen letzten Lebensjahren einen Konzertmarathon durch die USA von mehr als 150 Shows pro Jahr. Die freie Zeit verbrachte er meist zurückgezogen auf seinem Anwesen Graceland in Memphis, in Los Angeles, Palm Springs oder auf Hawaii. Er kämpfte in dieser Zeit nach Aussage von Freunden mit erheblichen persönlichen und wirtschaftlichen Problemen. 1973 wurde seine Ehe mit Priscilla Presley geschieden, zudem litt er seit Jahren unter Übergewicht und einer starken Medikamentenabhängigkeit, die letztlich seine labile Gesundheit ruinierte.

Nachbeben: Die posthume Karriere

Elvis’ Grabstätte im Meditation Garden von Graceland

Am 16. August 1977, um ca. 14 Uhr wurde Elvis Presley von seiner damaligen Freundin Ginger Alden leblos am Boden seines Badezimmers aufgefunden (laut Angaben der Freundin) und im Baptist-Memorial-Hospital in Memphis um 14:43 Uhr, nach mehreren Wiederbelebungsversuchen, offiziell für tot erklärt. Er wurde nur 42 Jahre alt.

„Der King ist tot“, diese Nachricht verbreitete sich rasant und löste weltweite Trauer aus. Als offizielle Todesursache Presleys wurde „Herzstillstand durch zentrales Versagen der Atemorgane“ angegeben. Sein Leibarzt Dr. „Nick“ Nichopoulos, der Elvis immer wieder mit verschriebenen Medikamenten versorgt hatte, wurde später von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Sein Zweitname Aron ist auf seinem Grabstein mit zwei „A“ geschrieben; diese Tatsache lässt, neben vielen anderen Anhaltspunkten, Verschwörungstheoretiker bis heute fest glauben, dass Elvis noch am Leben ist. Auf der offiziellen Website von Elvis Presley steht unter den „Frequently Asked Questions“ zu seinem Zweitnamen, dass er diesen kurz vor seinem Tod von Aron in Aaron änderte, in Anlehnung an den biblischen Aaron und weil die meisten Plattenlabel ihn bis dato sowieso meist mit zwei A geschrieben hatten. J. D. Sumner äußerte in einem Interview die Vermutung, Elvis' Vater Vernon sei aufgrund von Unwissenheit bezüglich der korrekten Schreibweise für diesen „Fehler“ verantwortlich gewesen. Er verwies in diesem Zusammenhang auch alle Gerüchte, Elvis könne noch leben, ins Land der Märchen.

Schon bald nach Presleys Tod kamen erste Gerüchte auf, dass der King womöglich noch am Leben sei. Eine Anzahl von Autoren haben sich mit dem Tod Presleys befasst und behaupten, auf Sachverhalte gestoßen zu sein, die zu Zweifeln am Tod des King of Rock ’n’ Roll Anlass geben.

Die Autorin Gail Brewer Giorgio (sie schrieb unter anderem die Novelle Orion und das Buch Is Elvis Alive?), ihr Kollege Monte Nicholson (unter anderem The Presley Arrangement) sowie weitere Autoren kamen zu einer ähnlichen Schlussfolgerung: Elvis soll danach das mehr oder weniger freiwillige Opfer eines Kronzeugenschutzprogrammes des FBI geworden sein. Ein weiterer Autor zu diesem Thema ist John Parker, Journalist und Schriftsteller. Er schrieb das Buch Geheimakte Elvis – Die Mafia und das Rätsel um den Tod eines Idols (Originaltitel Elvis, the Secret Files). Parker kommt nach aufwändigen Recherchen in staatlichen Archiven der USA und in der Zentrale des FBI zu dem Schluss: Elvis war als unschuldiges Opfer in eine der größten Ermittlungsaktionen des FBI verwickelt und sollte in einem aufsehenerregenden Prozess gegen führende Mafiafamilien aussagen; in einem Prozess, zu dem er niemals erschien. Angeheizt wurde die „Gerüchteküche“ auch immer wieder durch angebliche Sichtungen von Elvis nach seinem Tod an verschiedenen Orten der Welt, den sogenannten Elvis Sightings, die bisweilen bizarre und lächerliche Ausmaße annahmen. Alle genannten Legenden, Thesen und Theorien konnten bis heute nie durch glaubhafte Fakten belegt werden, bleiben also rein spekulativ und letztendlich mehr als fragwürdig. Nahestehende Personen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis Elvis Presleys haben zudem immer wieder auf den Unsinn dieser Behauptungen hingewiesen.

Siehe auch: Orion (Sänger)

Elvis-Souvenirs auf einem Flohmarkt
Elvis-Imitatoren in London 2005

Elvis’ Ruhm hat auch Jahrzehnte nach seinem Tod nicht gelitten. Seriösen Recherchen zufolge hat Elvis Presley bis 2007 weltweit sicher über eine Milliarde Tonträger verkauft.[135] Damit ist er insgesamt gesehen bis heute der kommerziell erfolgreichste Musiker aller Zeiten. Die RIAA (Recording Industry Association of America) zeichnete Elvis Presley 2004 zudem als Best Selling Solo Artist in U.S. History aus.[136]

Er wurde für 14 Grammys nominiert und gewann drei – alle für seine Gospelmusik.

Bis heute sind Bücher, Videos oder CDs von Elvis Verkaufsschlager. Sein Anwesen Graceland in Memphis ist mit jährlich rund 600.000 Besuchern eine der populärsten Touristenattraktionen der USA und nach dem Weißen Haus in Washington das am zweithäufigsten besuchte Anwesen. Graceland hat sich zu einer Art Pilgerstätte für seine Fans entwickelt, nachdem es 1982 für Besucher freigegeben wurde.

Die Rechte an Elvis Presley als Markenzeichen liegen bei Elvis Presley Enterprises, die bis Mitte Dezember 2004 zum größten Teil Lisa Marie Presley gehörte, seitdem dem Medienunternehmer Robert Sillerman. Das Unternehmen gibt den eigenen Angaben zufolge nur bei zwei Prozent aller Anträge ihre Zustimmung zu einem Merchandise-Artikel. Trotzdem gibt es mittlerweile kaum einen Gegenstand, der nicht in einer Elvis-Presley-Version auf den Markt gekommen wäre. Entsprechend führt Elvis Presley seit Jahren (mit Ausnahme des Jahres 2006) die vom Forbes Magazin erstellte Liste der Top-Verdiener unter den toten Prominenten an. Allein in 2008 konnte er $ 52 Mio. für sich verbuchen, zum Vergleich: Justin Timberlake und Madonna nahmen im selben Jahr $ 44 Mio. bzw. $ 40 Mio ein.[137]

In den USA soll es allein 35.000 hauptberufliche Elvis-Imitatoren geben.

Der eigentlich für einen Werbespot des Sportartikelherstellers Nike zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 vom niederländischen DJ Junkie XL (Tom Holkenborg) gefertigte Remix des Songs A Little Less Conversation wurde zum Nummer-1-Hit. (Das Original wurde 1968 nur als B-Seite einer Single veröffentlicht). Aus Rücksicht auf Presleys Gesundheitsprobleme in den 1970er Jahren und auf Druck der Elvis-Erben nannte sich Junkie XL um in „JXL“.

Elvis Presley auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost 1988

Eine Wiederveröffentlichung der 18 UK-Nummer-1-Hits auf Maxi CDs im Jahre 2005 bescherte Elvis nicht nur die 1000. Nummer 1 in Großbritannien, sondern insgesamt drei „neue“ Nummer-1-Hits. Denn die Maxi CDs gelten als eigenständige Veröffentlichung, weil sie eine eigene Bestellnummer haben. Somit ist es irrelevant, dass deren akustischer Inhalt mit den bereits zu Lebzeiten von Elvis erschienen Singles identisch ist. Dies bedeutet für die Chart-Rangliste, dass Elvis mit 21 Nummer 1 Hits (18 verschiedene Songtitel) der Spitzenreiter vor den Beatles bleibt. 1986 wurde Elvis Presley in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[138]

Im Jahr 1988 gab die Deutsche Bundespost eine Elvis Presley Briefmarke heraus.

Filme und Fernsehen

Presley arbeitete als Schauspieler in Hollywood und spielte in 31 Spielfilmen und zwei Dokumentarfilmen (Elvis – That’s the Way It Is, 1970 sowie Elvis On Tour, 1972) in der Hauptrolle mit. Vorbild für seine Filmarbeit war ihm sein Idol Tony Curtis. Am 3. Dezember 1968, noch vor seinem eigentlichen Bühnen-Comeback, trat er in einer eigenen Fernseh-Show auf, die im Juni vorab aufgezeichnet wurde: Elvis NBC TV-Special, die später als 68 Comeback Special bezeichnet wird. Elvis vereinte darin den Rock ’n’ Roll der 50er Jahre und einige neue Songs in neuem Stil. Diese Show konnte er als vollen Erfolg verbuchen. Denn zunächst war er sich nicht sicher, ob er nach seiner langen Pause als Livemusiker noch denselben Anklang beim Publikum finden konnte wie fast zehn Jahre zuvor. Steven Binder, der Produzent von NBC, überredete Elvis zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Er forderte Elvis auf, mal auf die Straße zu gehen, um herauszufinden, ob junge Leute ihn noch erkannten. Elvis zögerte zunächst, entschloss sich aber dann doch zu diesem Schritt. Als ihn kaum jemand erkannte, stimmte er zu, dass seine Karriere dringend einen Anschub benötigte. Und sein Auftritt in der Show überzeugte. In seinem schwarzen Lederoutfit (das zwischen den Aufnahmen immer wieder geglättet, gereinigt und mit einem Fön getrocknet werden musste, da Elvis darin unheimlich schwitzte) stellte er sein Können wieder unter Beweis. Er war wieder da. Legendär die beiden Showteile, die als Stand up-Show und Sit down-Show bekannt wurden. Letztgenannte wird auch oft als erste Unplugged-Show der Musikgeschichte gewertet. Abgeschlossen wurde der TV Auftritt mit dem Bild, das berühmt wurde. Elvis steht vor einem überdimensionalen, sechs Meter hohen, rot leuchtenden Schriftzug seines Namens in einem weißen Anzug und singt den Song If I Can Dream (der Einfluss von Martin Luther Kings Rede I Have a Dream ist deutlich zu erkennen).

Elvis hatte an dem Gelingen dieser Show und an ihrer Konzeption entscheidenden Anteil: Sein Manager Tom Parker hatte ursprünglich nur eine „weichgespülte“ Show im Sinn gehabt, bei welcher Elvis Weihnachtslieder singen sollte, der Regisseur Steve Binder wollte jedoch der Show keinen saisonalen Charakter geben. Im Streit zwischen dem „Colonel“ und den Produzenten ergriff Elvis, der seinem Manager sonst nicht widersprach, Partei für den „Rock ’n’ Roll“.

Nach seinem Militärdienst 1958 bis 1960 in Deutschland und einer Phase als Filmstar in Hollywood bereitete Presley sich 1969 auf sein Bühnen-Comeback vor. Ab 1970 ging er schließlich wieder auf Tournee. Der Film Elvis – That’s the Way It Is zeigt die Entstehung seiner einzigartigen Show im Juli/August 1970 von den Proben in Kalifornien bis hin zu den Vorbereitungen und Live-Auftritten im Showroom des International Hotels (heute das Hilton) in Las Vegas. Die 2001 auf DVD erschienene „Special Edition“ dieses Konzertfilms ist eine völlig überarbeitete, restaurierte Version der Originaldokumentation mit einigen neuen Songs und anderen Kameraeinstellungen. Nach dem großen Erfolg von That’s the Way It Is folgte zwei Jahre später eine Fortsetzung in Form des Konzertfilms On Tour, der Elvis auf Tour im Frühjahr 1972 in verschiedenen Städten der USA zeigt. Der Film erhielt 1972 den Golden Globe als bester Dokumentarfilm des Jahres. Nach Aloha from Hawaii via Satellite (1973) wurde Presley nur noch einmal, während seiner letzten Tournee im Juni 1977, von einem Fernsehteam begleitet (CBS). Dabei fielen seine Gewichtsprobleme auf, seine Stimme verließ ihn jedoch nie. Ausgestrahlt wurde der Zusammenschnitt von zwei Konzerten (19. und 21. Juni 1977) unter dem Titel Elvis in Concert, allerdings erst nach seinem Tod (3. Oktober 1977). Bereits seit vielen Jahren werden diese Aufnahmen von Elvis Presley Enterprises vor weiteren Ausstrahlungen bzw. Veröffentlichungen unter Verschluss gehalten. Auf der DVD Elvis by the Presleys, die 2005 erschien, sind erstmals wieder Ausschnitte aus dieser Zeit zu sehen.

Eine weitere Dokumentation ist der Film This is Elvis. Ein zum Teil mit Schauspielern besetzter Film, der jedoch vor allem Originalaufnahmen enthält. Eine deutschsprachige Fassung dieses Films ist in den 80ern unter dem Titel Das ist Elvis auch auf Video erschienen.

Im Jahr 2005 erschien die zweiteilige Filmbiografie „Elvis“, die Presleys Lebensabschnitt zwischen seinem 18. und 33. Lebensjahr darstellt.

Filmografie

Insgesamt kamen 33 Filme mit Presley in die Kinos, 31 Spielfilme und zwei Konzertfilme (1970, 1972).

Spielfilme

  • 1956: Pulverdampf und heiße Lieder (Love Me Tender)
  • 1957: Gold aus heißer Kehle (Loving You)
  • 1957: Rhythmus hinter Gittern (Jailhouse Rock)
  • 1958: Mein Leben ist der Rhythmus (King Creole)
  • 1960: Café Europa (G.I. Blues)
  • 1960: Flammender Stern (Flaming Star)
  • 1961: Lied des Rebellen (Wild in the Country)
  • 1961: Blaues Hawaii (Blue Hawaii)
  • 1962: Ein Sommer in Florida (Follow That Dream)
  • 1962: Harte Fäuste, heiße Liebe (Kid Galahad)
  • 1962: Girls! Girls! Girls!
  • 1963: Ob blond, ob braun (It Happened at the World’s Fair)
  • 1963: Acapulco (Fun in Acapulco)
  • 1964: Tolle Nächte in Las Vegas (Viva Las Vegas)
  • 1964: Die wilden Weiber von Tennessee (Kissin’ Cousins)
  • 1964: König der heißen Rhythmen (Roustabout)
  • 1965: Kurven-Lilly (Girl Happy)
  • 1965: Cowboy-Melodie (Tickle Me)
  • 1965: Verschollen im Harem (Harum Scarum)
  • 1966: Frankie und Johnny (Frankie and Johnny) (Regie: Frederick de Cordova)
  • 1966: Südsee-Paradies (Paradise Hawaiian Style)
  • 1966: Sag niemals ja (Spinout)
  • 1967: Zoff für zwei (Double Trouble)
  • 1967: Seemann ahoi (Easy Come, Easy Go)
  • 1967: Nur nicht Millionär sein (Clambake)
  • 1968: Speedway
  • 1968: Harte Fäuste, heiße Lieder (Stay Away Joe)
  • 1968: Liebling, lass das Lügen (Live a Little, Love a Little)
  • 1969: Charro!
  • 1969: Immer Ärger mit den Mädchen (The Trouble With Girls)
  • 1969: Ein himmlischer Schwindel (Change of Habit)

Konzertfilme

TV-Specials

Diskografie

Siehe Elvis Presley/Diskografie

Literatur

  • Steve Dunleavy: Elvis: What Happened? (1977)
  • Mike Evans: Elvis (2002) mit über 600 Fotos
  • Robert Gordon, Helmut Splinter (Übersetzer): Elvis 1935–1977 (2002)
  • Peter Guralnick, Ernst Mikael Jørgensen: Elvis Day by Day – The Definitive Record of His Life and Music (1999)
  • Peter Guralnick: Careless Love – The Unmaking of Elvis Presley (1999, 2006 in Deutschland)
  • Peter Guralnick: Last Train To Memphis – The Rise of Elvis Presley (1994, 2006 in Deutschland), ISBN
  • Marc, Hendrickx: Elvis A. Presley – Die Musik. Der Mensch. Der Mythos. (2003)
  • Ernst Mikael Jørgensen: Elvis Presley – A Life in Music (The Complete Recording Sessions) (1998)
  • Alan Posener: Elvis Presley, Rowohlt, Reinbek 1994. ISBN 3-499-50495-2
  • Priscilla Presley, Lisa Marie Presley: Elvis by the Presleys (2005), ISBN 978-3-502-11016-3
  • Priscilla Presley: Elvis und ich / Elvis and me (1985)
  • Paul Simpson: The Rough Guide To Elvis (2002)
  • Elaine Dundy: Elvis und Gladys (April 1, 1986) ISBN , ISBN 978-0-440-12271-5
  • John Parker: Geheimakte Elvis, Knaur, 1994, ISBN 3-426-75061-9
  • Thomas Fensch: The FBI Files on Elvis Presley, New Century Books 2001,
  • Gail Giorgio: Elvis Undercover, 1999 by The Arctic Corporation, ISBN 1-880092-49-2
  • Pamela Clarke Keogh: Elvis Presley The King, 2004, Henschel-Verlag, ISBN 3-89487-521-6
  • Jerry Schilling: Me an a Guy Named Elvis, 2006, Gotham Books, ISBN 1-59240-231-3
  • Reinhard Kleist, Titus Ackermann: ELVIS – Die illustrierte Biographie, 2007, Ephata, ISBN 978-3-7704-3128-1

 

 
   
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